Deutschland

  • König Ludwig II. von Bayern (* 25. August 1845 auf Schloss Nymphenburg, + 13. Juni 1886 im Starnberger See)

    Ludwig II. wuchs überwiegend auf Schloss Hohenschwangau bei Füssen auf. Im Alter von sechzehn Jahren kam Ludwig erstmals mit den Opern Richard Wagners in Berührung, die einen lebenslangen, tiefen Eindruck hinterließen. Im Alter von achtzehn Jahren, nach dem Tod seines Vaters Maximilian II., übernahm Ludwig die Regierungsgeschäfte. Sein Hauptinteresse galt der Förderung von Musik und Kultur. Ludwig nahm die Regierungsgeschäfte sehr ernst, zeigte aber an den militärischen Belangen wenig Interesse. Tatsächlich gab er der Kunst, architektonischen Ideen, Neuerungen der Technik und seiner romantischen Ader den Vorrang. Dennoch musste er zwei Kriege führen (1866 und 1870/71), was er weniger aus politischer Einsicht, sondern vielmehr einem Zwang nachgebend tat.
    Ludwig II. hatte sich selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Er lebte stets sehr zurückgezogen und da er kaum tagsüber, sondern öfters des Nachts bei Spaziergängen zu sehen war, erhielt er den Namen „Mondkönig“. Lediglich der Bau seiner Schlösser (Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee) konnte sein Interesse an der Außenwelt noch wachhalten. Jedoch waren seine Schulden so hoch, dass die Arbeiten daran zeitweise oder ganz eingestellt werden mussten. 1886 wurde er deshalb von seinem Kabinett entmündigt und verhaftet und in Gewahrsam nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht. Dort ertrank er am 13. Juni 1886 zusammen mit dem Arzt Dr. Bernhard von Gudden im See.

    Die Urkunde
    München, 10. September 1873 (Kaufurkunde)

    Die Herreninsel (auch Herrenwörth) ist mit einer Gesamtfläche von 238 ha die größte der drei im Chiemsee liegenden Inseln. Bis zur Säkularisierung (1803) war sie im Besitz von Kloster Herrenchiemsee. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee im Jahre 1808 war die Insel in wechselndem Besitz, was 1870 beinahe dazu führte, dass es durch einen der kurzzeitigen Besitzer, eine württembergische Holzverwertungsgesellschaft, zu einer kompletten Abholzung der Waldbestände gekommen wäre. So erwarb Ludwig II. am 10. September 1873 die Insel für 350.000 fl und rettete damit deren Wälder. Die Idee, dort ein Schloss zu errichten, entstand erst 1874/75, als die Entwürfe für den Bau von Meicost Ettal bzw. Tmeicos Ettal, einem Refugium nach dem Vorbild von Versailles, immer ausufernder wurden und der vorgesehene Bauplatz im Graswangtal nicht mehr ausreichte. So verlagerte Ludwig II. den Standort seines „Versailles“ auf die Herreninsel im Chiemsee.

    Ludwig II. erschien nicht persönlich vor dem Notar Karl Hacker in München zur Unterzeichnung der Kaufurkunde, sondern ermächtigte seinen Hofsekretär Lorenz von Düfflipp, den Kauf vorzunehmen, weshalb der Urkunde die eigenhändig unterzeichnete Ermächtigung des Königs beigeheftet ist.

    StAM (EIH) Notariat München III UR 2391/1873
    Or., Pap., geheftet, 33 x 22 cm

  • Wilhelm Conrad Röntgen (* 27. März 1845 in Lennep bei Remscheid, Rheinland, + 10. Februar 1923 in München)

    Wilhelm Conrad Röntgen, der Entdecker der Röntgenstrahlen, wurde am 27. März 1845 im Rheinland als Sohn eines Tuchfabrikanten geboren. Im Jahr 1848 zog die Familie in die Niederlande, woher Wilhelms Mutter stammte. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Apeldoom. Nach dem Besuch der Technischen Schule in Utrecht studierte er zunächst Ingenieurwissenschaften, dann Physik in Zürich. Seine wissenschaftliche Tätigkeit führte ihn nach Würzburg, Straßburg, Hohenheim bei Stuttgart und Gießen. 1888 wurde er schließlich Ordinarius in Würzburg, wo er 1895 die heute allgemein als Röntgenstrahlen bekannten X-Strahlen entdeckte. Unter den ersten Röntgenaufnahmen befand sich die Hand seiner Frau. Für diese in der Medizin nicht mehr wegzudenkende Errungenschaft wurde er mit mehreren Orden und nicht zuletzt 1901 mit dem ersten Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Ab 1900 bis zu seiner Emeritierung war Röntgen Professor an der Universität München. Er starb 1923 – vier Jahre nach dem Tod seiner Frau – in München. Wie er es sich gewünscht hatte, fand er seine letzte Ruhestätte auf dem Alten Friedhof in Gießen, wo auch seine Eltern bestattet worden waren.

    Die Urkunde
    München, 23. Februar 1903 (Adoptionsurkunde)

    Röntgen war seit Januar 1872 mit der Wirtstochter Anna Bertha Ludwig aus Zürich verheiratet. Die Ehe blieb allerdings kinderlos, weshalb das Paar Josephina Bertha Ludwig, die Nichte Anna Berthas, die seit 1887 im Haus der Röntgens wohnte und von dem Ehepaar betreut wurde, am 23. Februar 1903 adoptierte. Josephina Ludwig war zu diesem Zeitpunkt bereits 21 Jahre alt. Es wurde bestimmt, dass der neue Name „Röntgen” ihrem früheren Familiennamen „Ludwig” hinzugefügt wird und sie von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen ist. Trotzdem bestimmten Röntgen und seine Frau in ihrem Testament neben Freunden, Hausbediensteten, karitativen Einrichtungen und der Stadt Lennep auch ihre Adoptivtochter als Erbin.

    StAM (EIH) Notariat München II UR 1903/770 (K 2592)
    Or., Pap., geheftet, 33 x 22 cm

  • Georg Franz Josef Luitpold Maria von Bayern (* 2. April 1880 in München, 31. Mai 1943 in Rom)

    Georg von Bayern, der Enkel Kaiser Franz Josephs von Österreich, war seit 1897 Leutnant beim Bayerischen Infanterie-Leib-Regiment und stieg in der Armee bis zum Major auf. Im Ersten Weltkrieg stand Georg von Bayern als Offizier an der West- und Ostfront, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse sowie andere Auszeichnungen und erreichte den Rang eines Oberst. 1919 begann Georg in Innsbruck ein Theologiestudium und wurde am 21. März 1921 zum Priester geweiht. Er promovierte anschließend in Innsbruck in Kirchenrecht und ging nach Rom, wo er seine Studien fortsetzte und 1925 an der Päpstlichen Akademie graduiert wurde. Am Vatikan avancierte er zum Apostolischen Protonotar. Während seiner römischen Zeit lebte Prinz Georg in der Villa San Francesco mit den dortigen Waldbreitbacher Franziskanerbrüdern, die sich der Krankenpflege verschrieben hatten.

    Das Testament

    Georg von Bayern starb mit 63 Jahren in Rom und ist auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico beigesetzt. Er soll sich bei der Pflege von Kranken mit Tuberkulose angesteckt haben. Testamentarisch hinterließ er Geld für neue Bronzetore der Peterskirche. Von seiner Stiftung wurden u.a. das „Tor des Todes“ von Giacomo Manzu und das „Tor der Sakramente“ von Venanzo Crocetti finanziert.

    StAM AG München NR 1943/4678
    Or., Pap., 33 x 22 cm

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